Die Bibel stellt keine allgemeine Forderung auf, nach der jede Flasche gewöhnlichen Salböls vor dem persönlichen Gebrauch zunächst von einem Pastor oder einem anderen religiösen Amtsträger gesegnet werden müsste. Zwischen dem in 2. Mose 30 ausdrücklich vorgeschriebenen heiligen Salböl und der umfassenderen biblischen Verwendung von Salböl muss sorgfältig unterschieden werden. In 2. Mose 30,22–33 gibt Gott Mose eine genaue Zusammensetzung und Anweisungen für eine heilige Zubereitung, die bestimmten Zwecken im Gottesdienst Israels vorbehalten war. Dasselbe Kapitel enthält eine gesondert vorgeschriebene Räuchermischung mit eigenen Einschränkungen. Diese Abschnitte dürfen weder als allgemeines Verbot gewöhnlichen Salböls noch als Verpflichtung heutiger Gläubiger verstanden werden, die heilige Zubereitung der Stiftshütte nachzubilden. In der ganzen Schrift übten gewöhnliche Menschen persönliche Salbung aus, und Jesus selbst wies seine Nachfolger an, beim Fasten ihr Haupt zu salben (Matthäus 6,17). Er machte ihre persönliche Salbung nicht von der Zustimmung einer religiösen Autorität abhängig.
Salböl vor der Verwendung zu segnen, kann dennoch ein bedeutungsvoller Ausdruck von Gebet und Hingabe sein. In der frühen christlichen Praxis brachten Gläubige ihr Öl mitunter zu Versammlungen mit, wo ein Segen darüber gesprochen wurde, bevor sie es für den persönlichen Gebrauch wieder mit nach Hause nahmen. Das verdeutlicht den Unterschied zwischen etwas, das angemessen und sinnvoll ist, und etwas, das unverzichtbar wäre. Die geistliche Bedeutung des Salböls entsteht nicht durch die Worte einer bestimmten Person über einer Flasche. Öl ist ein körperlicher Berührungspunkt, durch den Gläubige ihren Glauben an die geistliche Salbung ausdrücken, während die wirkliche Kraft Gott gehört. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob ein bestimmter religiöser Amtsträger das Öl gesegnet hat, sondern ob es im Glauben, gemäß Gottes Wort und in Abhängigkeit vom Heiligen Geist verwendet wird. Die persönliche Salbung steht Gläubigen weiterhin offen, ohne dass sie eine Erlaubnis der Gemeindeleitung benötigen. Werden dagegen andere Menschen gesalbt oder Orte und Besitztümer geweiht, gelten weiterhin die biblischen Grundsätze von Verantwortung und angemessener Autorität.
Haus der Salbung

