Der Unterschied zwischen der Salbung im Alten und im Neuen Testament wird deutlicher, wenn wir Gottes ursprüngliche Absicht für sein Volk betrachten. Als er Abraham berief, versprach er, dass durch ihn alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollten (1. Mose 12,1–3). Später erklärte Gott seine Absicht, Israel zu einem Königreich von Priestern und zu einem heiligen Volk zu machen (2. Mose 19,5–6). Ein Priester dient Gott zugunsten anderer; diese Berufung sollte also nicht allein Israel zugutekommen. Durch sein erwähltes Volk wollte Gott sich den Nationen offenbaren. Unter dem Alten Bund wurde der priesterliche Dienst innerhalb der Stiftshütte jedoch zur Aufgabe einer eigens eingesetzten Priesterschaft. Auch Könige wurden durch Salbung eingesetzt, und die Kraftausrüstung durch den Heiligen Geist war besonders mit einzelnen Menschen verbunden, die in verantwortliche Dienste für Gott berufen waren. Dieser Zusammenhang zeigt sich, als Samuel Saul und David salbt. In beiden Berichten steht die äußerliche Salbung in enger Verbindung mit dem Kommen des Geistes des HERRN (1. Samuel 10,1.6; 16,13). Die äußere Handlung kennzeichnet eine göttliche Berufung, während der Heilige Geist die zur Erfüllung erforderliche Kraft verleiht.
Durch Jesus Christus kommt Gottes Absicht, ein königliches Priestertum zu schaffen, unter dem Neuen Bund zu ihrer Erfüllung. Jesus ist unser Hoherpriester und König zugleich, und durch sein Opfer sind wir dem Vater nahegebracht worden. In 1. Petrus 2,4–9 werden Gläubige als lebendige Steine beschrieben, die zu einem geistlichen Haus, einer heiligen Priesterschaft und einem königlichen Priestertum aufgebaut werden. Offenbarung 1,5–6 erklärt ebenfalls, dass Jesus uns zu Königen und Priestern für seinen Gott und Vater gemacht hat. Diese Berufung ist nicht einer kleinen Gruppe besonders eingesetzter Gemeindeleiter vorbehalten; jeder echte Nachfolger Jesu gehört zu seinem königlichen Priestertum. Die Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten verdeutlicht die außerordentliche Bedeutung dieser neuen Wirklichkeit zusätzlich. Gläubige sind nun die Wohnstätte des Geistes Gottes und dazu berufen, ihm zum Wohl der Welt zu dienen. Das bedeutet nicht, dass die Gemeinde Israel ersetzt hätte oder Gottes Verheißungen an das jüdische Volk aufgehoben wären. Römer 11,16–18 beschreibt Gläubige aus den Nationen als Zweige, die in den edlen Ölbaum eingepfropft wurden und Anteil an seinem Reichtum haben, während seine Wurzel sie trägt. Die äußerliche Salbung bleibt unter dem Neuen Bund bedeutsam, doch ihre größere Bedeutung liegt in der geistlichen Wirklichkeit, die durch Jesus Christus jetzt zugänglich ist: Gottes Volk, von seinem Geist erfüllt, das ihm als königliche Priesterschaft dient.
Haus der Salbung

